Die Hüter der Qualität

Die Hüter der Qualität

Im 6. Serienteil geht es ums Qualitätsmanagement

Der Job ist mit großer Verantwortung verbunden, erfordert jede Menge Fachwissen, birgt durchaus Potenzial für Konflikte. Und um ihn zu erledigen, sind jedes Jahr viele Kilometer hinter dem Steuer abzureißen. Das alles klingt erst mal stressig, doch Jörg Beckenbauer und Christian Becker sagen zu ihrer Arbeit so übereinstimmend wie überzeugend:„Sie macht einfach richtig viel Spaß.“ Na, dann schauen wir uns den Job der beiden doch mal genauer an – willkommen im Qualitätsmanagement der Sommerfeld AG.

Beckenbauer (41) spielt Golf seit seinem siebten, Becker (49) seit seinem 14. Lebensjahr. Beide verfügen also über rund dreieinhalb Dekaden Golf-Erfahrung, arbeiteten als Golfpros, Becker zudem als Club-Manager. Hinzu kommt, dass beide neben ihrem Schwung seit jeher auch der Platz-Güte viel Aufmerksamkeit schenken. In Summe haben sie damit optimale Voraussetzungen, um als Qualitätsmanager jeden Monat sämtliche SAG-Pflegeanlagen fachkundig unter die Lupe zu nehmen. „Bei mehr als 50 Plätzen von der Nordsee bis in die Berge sind wir da ordentlich unterwegs“, sagt Becker – passenderweise am Autotelefon auf der Heimfahrt aus der Schweiz.

Sobald die Qualitätsmanager aus ihren Dienstwagen steigen, werden sie zu den „pingeligsten Greenfee-Spielern der Welt“, wie Beckenbauer sagt. Wo andere eine wunderbar gerade Mähkante sehen, entdecken die beiden jeden noch so winzigen Schlenker. „Gerade ist eben nicht gleich gerade“, sagt Becker lächelnd. Und ein Schlenker bedeutet Abzüge – denn die Qualitätsmanager schauen sich nicht nur alles penibel an, sondern bewerten auch alles penibel mit Oberstufen- Schulnoten von 0 (ungenügend) bis 15 (optimal) Punkten. Von Grüns und Fairways über Bunker und Abschläge bis zu Allgemeinem wie Mähkanten und Markierungen vergeben sie auf einer 18-Loch-Anlage mehr als 1.000 Noten.

Um ein Meinungsbild zu bekommen,sprechen Beckenbauer und Becker auch die Spieler an, die zum Zeitpunkt des Besuchs gerade auf den Bahnen sind. Sie schlagen hier mal ab, putten dort mal und haben Messgeräte für Grüngeschwindigkeit, Schnitthöhe, Durchwurzelung, pH-Wert, Bodenfeuchtigkeit und Balltreue dabei. „Was sich messen lässt, messen wir“, so Becker. Zudem knipsen sie bis zu 400 Fotos pro Anlage. „Wenn im Bericht steht, dass bei Bahn X auf Anlage Y am Abschlag eine Kahlstelle zu finden ist, gibt es dazu garantiert das passende Foto.“ Über die Jahre ist so eine Datenbank entstanden, die die Gigabyte-Grenze längst überschritten hat. Die terabyteweise Anhäufung von Daten ist natürlich kein Selbstzweck, sondern dient der Analyse. Mit den Zahlen, Fakten, Noten wird eine spezielle Software gefüttert, die jeden Monat eine objektive Auswertung über die Qualität aller SAG-Pflegeanlagen ausspuckt. „Sie dient als Basis, um gemeinsam mit dem Supervisor und dem Greenkeeping- Team die Plätze immer weiter zu optimieren“, erläutert Beckenbauer – und betont dabei eine Vokabel besonders: gemeinsam! „Wir sind nicht die Gegner der Greenkeeper, die Fehler suchen, um sie anzuschwärzen.“ Sondern? „Partner, die unterstützen und mit dem Blick von außen Betriebsblindheit verhindern und Impulse von anderen Anlagen einbringen.“

Die penible Arbeit auf dem Platz, die Abwechslung durch den Besuch von zig Anlagen quer durch die Republik, die große Mitverantwortung für die Jörg Beckenbauer Christian Becker Güte der Bahnen und damit den unternehmerischen Erfolg der Sommerfeld AG: All das trägt dazu bei, dass die Qualitätsmanager ihre Arbeit lieben. Entscheidend hinzu kommt aber noch, dass sie durch ihre Rolle letztlich Teil jedes einzelnen Greenkeeping-Teams sind. „Alle Plätze kennen, alle Kollegen kennen“, lautet der Anspruch der beiden. „Denn trotz des Wachstums in den vergangenen Jahren ist und bleibt Sommerfeld ein Familienunternehmen, bei dem der persönliche Kontakt ein wichtiger Wert ist.“ In diesem Miteinander penibel für die bestmögliche Platzgüte zu arbeiten und zu bürgen – das ist es, was die Hüter der Qualität an ihrem Job so sehr mögen.

Die Sommerfeld AG, Teil 7
Lesen Sie im nächsten Greenletter alles zum Bereich Golfplatzbau.