Golfplatzberegnung© Sommerfeld AG

Titelthema

Wasser marsch!

Weniger ist mehr

Der Rasen und viele Pflanzen auf den Golfplätzen des Landes haben ein Problem: Sie bekommen zu häufig Wasser. Ja, ganz recht – zu häufig! Dabei meinen es die Greenkeeper sicherlich gut, Wasser ist schließlich neben Licht und Nährstoffen lebensnotwendig für jede Pflanze. Doch hier ist weniger tatsächlich mehr.

Das Institut für Grünlandlehre der Universität Hohenheim hat in einer Studie die notwenigen Wasser-Bedarfsmengen mit den tatsächlichen Wasserverbräuchen auf Golfanlagen verglichen. Das Ergebnis: Oft wurde deutlich zu viel gewässert. „Das hat negative wirtschaftliche Konsequenzen“, erläutert Dipl.-Ing. Andreas Lukasch, Inhaber des Rostocker Planungsbüros No.9 Golfdesign. Von Mehrkosten für Wasser und Strom bis hin zu schnellerem Verschleiß der technischen Anlagen.

Noch schlimmer: Auch für die Entwicklung der Pflanzen ist übermäßiges Bewässern kontraproduktiv. Da sie stets genügend H20 bekommen, brauchen sie nur ein flaches Wurzelwerk zu bilden – was zu Problemen führt, wenn es doch einmal an Wasser mangelt. Müssen sie hingegen zwischendurch nach Wasser suchen, wird das Wurzeltiefenwachstum gefördert, dadurch mehr Boden in puncto Wasseraufnahme und Nährstoffverfügbarkeit nutzbar gemacht. „Bedarfsgerechte Bewässerung ist das A und O“, sagt Experte Lukasch. „Statt häufig wenig Wasser zu geben, also lieber seltener bewässern – dafür dann aber ordentlich!“ Zum Wohle der Pflanzen und der Finanzen.

Voraussetzung für ein ausgiebiges „Wasser marsch!“: Es muss genügend Wasser zur Verfügung stehen. Gerade in Süddeutschland prasselt teils unfassbar viel Regen in kürzester Zeit auf eine Anlage – gefolgt von langen Trockenphasen. Ob das Auswirkungen des Klimawandels sind, sei dahingestellt. Auf jeden Fall können Golfclubs ihren Wasserbedarf nicht mehr seriös anhand der durchschnittlichen Niederschlagsmenge in der Gegend kalkulieren. Die Voraussage, dass im Juli 70 Liter pro Quadratmeter fallen, nützt herzlich wenig, wenn diese 70 Liter in wenigen Stunden kommen – und dann vier Wochen nichts mehr.

Andreas Lukasch hat schon Greenkeeper gesehen, die verzweifelt die letzten Tropfen aus dem Speicherteich genutzt – und anschließend insgeheim Regentänze aufgeführt haben. „Damit das nicht nötig ist, sollten Clubs Vorkehrungen treffen, um ihre Anlage bei Wetterkapriolen mit langen Trockenperioden in einem Top-Zustand halten zu können.“ Bei Neubauten müsse etwa das Teichausmaß großzügig kalkuliert, bei bestehenden Anlagen über die Anschaffung eines Brunnensystems nachgedacht werden, um den Speicherteich kontinuierlich aufzufüllen. Andernfalls drohen den Pflanzen ohne Wasser im Ernstfall Trockenschäden, die irreversibel sein können. „Die Konsequenz wäre eine Neuansaat mit vielen Unwägbarkeiten – und die ist definitiv teurer als eine vorausschauende Investition in die Wasser-Infrastruktur.“

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