Nachgefragt

„Umweltfreundliche Platzpflege heute auf fast jeder Agenda“

Interview mit Marc Biber, Abteilungsleiter „Umwelt und Platzpflege“ beim Deutschen Golf Verband

 

Was ist „Golf & Natur“ und wie funktioniert dieses Programm?

Ziel unseres Qualitätsmanagementprogramms ist es, optimale Bedingungen für den Golfsport mit dem größtmöglichen Schutz der Natur zu verbinden. Teilnehmende Golfanlagen führen dafür anhand eines DGV-Leitfadens eine Bestandsaufnahme in den Bereichen „Natur & Landschaft“, „Pflegekonzept & Spielbetrieb“, „Umweltmanagement“ sowie „Öffentlichkeitsarbeit“ durch. Daraufhin wird ein Entwicklungsplan mit umweltverträglichen Maßnahmen erstellt. Erfüllt die Golfanlage innerhalb von zwei Jahren mindestens 15 der 25 Basisanforderungen, qualifiziert sie sich für das erste Zertifikat „Golf & Natur“.

 

Seit wann gibt es „Golf & Natur“ und was wurde bisher erreicht?

Der DGV hat das QM-Programm im Frühjahr 2005 in Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Naturschutz und dem Greenkeeper Verband Deutschland initiiert. Seitdem haben wir es geschafft, dass moderne und umweltfreundliche Platzpflege auf fast jeder Agenda von Führungsverantwortlichen steht. Derzeit nehmen rund 170 Golfanlagen teil, davon führen 86 das Zertifikat in Gold, 31 in Silber und 26 in Bronze.

 

Gibt es weitere Initiativen des DGV, die auf „Golf & Natur“ zurückgehen?

2019 haben wir mit dem Baden-Württembergischen Golfverband und dem Umweltministerium Baden-Württemberg das Pilotprojekt „Lebensraum Golfplatz – Wir fördern Artenvielfalt“ aus der Taufe gehoben. Gemeinsam möchten wir mehr naturnahe Lebensräume schaffen und die Verbreitung von Artenvielfalt auf Golfanlagen im Südwesten fördern. Zurzeit laufen in Bayern, Rheinland-Pfalz und Hessen Gespräche, um dort ähnliche Projekte zu implementieren.

 

Welche Chancen bietet „Golf & Natur“ den Golfanlagen?

Wir versuchen, die teilnehmenden Golfanlagen in allen Fragen des Pflegemanagements optimal zu betreuen. Den Pflegebetrieb effizienter, umweltbewusster und nachhaltiger zu gestalten, ist dabei die Prämisse. Für Verantwortliche resultiert aus einer konsequenten Umsetzung der „Golf & Natur“-Maßnahmen eine höhere Rechtssicherheit, weil die gesetzlichen Auflagen – beispielsweise bei der Verkehrssicherungspflicht, im Umweltschutz und bei der Arbeitssicherheit – erfüllt werden. Das mag sich unspektakulär anhören, ist aber eine gute Grundlage für Wachstum und Erfolg einer Golfanlage und schützt gleichzeitig das fragile Image des Golfsports.

 

Welches sind die langfristigen Ziele des DGV mit „Golf & Natur“?

Wir möchten unsere Golfanlagen dahingehend unterstützen, dass die Risiken etwa beim Ausbringen von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln minimiert und die naturschutzfachlichen Potenziale ausgeschöpft werden. Unser Ziel ist, dass der Golfsport – gerade beim Schutz der Artenvielfalt – zu einem Partner von Behörden und Nichtregierungsorganisationen wird. Wir sind der Überzeugung, dass dies im Hinblick auf die immer restriktiver werdende Umweltgesetzgebung unabdingbar ist, um die Handlungsspielräume bei der Platzpflege zu erhalten.