Hightech statt Holzpflöcke

Im 7. Serienteil geht es um den Golfplatzbau

 

Kaum zu glauben, dass an dieser Stelle in wenigen Monaten ein Greenkeeper zur Not mit der Nagelschere zwei Grashalme zurechtstutzen würde, damit das Grün makellos ist. Denn zurzeit ist an dieser Stelle nichts als blubbernder Matsch, auf dem auch noch ein riesiger Bagger vor sich hin poltert, so schwer wie sechs Nashörner. „Filigran kommt später, jetzt sind wir erst mal dran“, sagt Florian Clute und lacht. „Wir“, das sind sein Team und er – die Golfplatzbauer und -renovierer der Sommerfeld AG. Deren Aufgabenpalette reicht vom Erdund Drainagebau über Beregnungs- und Wegebau bis zu Finishing und Fertigstellungspflege.

Je nach Projekt gehören bis zu 30 Mitarbeiter zur Crew. Und die alten Haudegen unter ihnen erinnern sich noch an früher, als mitten im Nirgendwo Holzpflöcke standen, an denen sich die Baggerführer beim Ausheben eines Bunkers oder für das Modellieren eines Hügels orientierten. Vergangenheit. Heute erstellen die Golfplatzbauer auf Basis eines dreidimensionalen Gelände-Scans per Drohnentechnik sowie den Architekten-Plänen einen Massenverteilplan, der in das GPS der Bauund Transportfahrzeuge programmiert wird. „Wie Roboter folgen die Maschinen nun exakt den Vorgaben, die das Programm macht“, erläutert Clute. „So wird jeder Kubikmeter Erde ohne Umwege und mit genauem Ziel bewegt.“ Hightech statt Holzpflöcke.

Doch Technik ist nicht alles, hauptverantwortlich ist letztlich immer der Mensch. Zum Beispiel beim Shaping, also dem virtuosen Modellieren der Spielflächen. „Unsere Shaper sind auf ihrem Gebiet schon Künstler“, sagt Clute anerkennend. Und ebenso wie der Bauleiter selbst oder die für den Erdbau zuständigen Kollegen weit mehr  als bloße Umsetzer der Pläne des Architekten. Denn nicht alles, was am PC gut aussieht, funktioniert 1:1 in der Natur – da ist dann fachliche Rückmeldung gefragt: Wieso kann der Teich nicht an diese Stelle? Wohin rückt er dann? Und was machen wir mit dem angedachten Hügel? „Bei Fragen wie diesen arbeiten wirHand in Hand mit dem Kunden und dem Planer – und haben am Ende immer eine gute Lösung gefunden“, so Clute. Was umso wichtiger ist, da kein Projekt dem nächsten gleicht. Der landschaftliche Charakter, das regionale Klima und die Wünsche des Kunden fordern stets individuellen Einsatz von Materialien und Maschinen.

Die Range der Projekte reicht vom fünfjährigen (Um-)Bau der 45-Loch-Anlage des Öschberghofs, den die Sommerfeld AG in ungefähr 85.000 Arbeitsstunden umsetze, bis zu knackigen Drei-Wochen-Maßnahmen wie jüngst der Grün- und Abschlagsanierung im Golfclub Ravensberger Land e. V. Auf einer bestehenden Anlage zu arbeiten, macht den Golfplatzbauern so viel Freude wie ein Neubau. „Die Herausforderung besteht dann darin, dass die neu gebauten Teile optimal mit dem Bestand harmonieren“, so Clute. Zum Beispiel ziehe sich die Modellierung eines Grüns stets in dessen Umfeld. Baue man das Grün neu, müsse diese Modellierung so exakt aufgenommen werden, dass hinterher alles wie aus einem aussieht. „Im besten Fall sieht es so aus, als wären wir gar nicht dagewesen“, sagt der 31-Jährige.

Dass die von Sommerfeld gebauten Golfanlagen sportlichen, technischen und ästhetischen Anforderungen vollauf genügen, liegt auch an der Arbeit im hauseigenen Labor: Da Sand nicht gleich Sand ist, wird er vor dem Einsatz untersucht, so dass nur richtlinienkonforme Sande genutzt werden. Die Einhaltung weiterer FLL- oder USGA-Richtlinien ist obligatorisch, der Maschinenpark mit Baggern, Raupen und Transportfahrzeugen gut bestückt. „Und wir werden in keinem unserer Aufgabenfelder auch nur einen Deut nachlassen, sondern im Gegenteil immer weiter danach streben, uns zu verbessern“, sagt Florian Clute der übrigens selbst in seiner Freizeit von der hohen Qualität seines Teams profitiert. Denn der Bauleiter spielt einmal pro Jahr eine Runde auf jedem Golfplatz, für dessen Neu- oder Umbau er verantwortlich zeichnete – und kann sich dann beim Putten lächelnd zurückerinnern, dass genau an dieser Stelle einst ein Riesenbagger in blubberndem Matsch stand.

 

 

Die Sommerfeld AG, Teil 8
Lesen Sie im nächsten Greenletter alles zum Thema Beregnung

Die Golf-Republik schaut zum Tegernsee

Große Aufmerksamkeit für den Neubau aller Grüns durch die Sommerfeld AG

Am Tegernsee ist einer der bekanntesten Golf-Clubs des Landes beheimatet. Entsprechend hoch war quer durch die Golf-Republik die Aufmerksamkeit, als vergangenes Jahr im Zuge des 60. Club-Geburtstags ein Komplett-Neubau aller Grüns angekündigt wurde. „Hoher Druck?“ Nein, den habe Florian Clute, Leiter des Bereichs Golfplatzbau, nicht gespürt. „Schließlich machen wir uns den größten Druck, ein Projekt erfolgreich abzuschließen, immer selbst.“ Aber ein immenses Interesse an dem Vorhaben? „Ja, das gab es definitiv.“ Immer wieder traten Mitglieder des Clubs, golfende Tegernsee-Urlauber oder Verantwortliche anderer Clubs mit interessierten Nachfragen an das Bau-Team heran.

„Ich kann das verstehen, es ist ja auch spannend, wenn statt filigraner Golf-Wägelchen plötzlich 20-Tonnen-Bagger auf einer Anlage stehen“, so Clute – der mit seinen Kollegen bereitwillig Auskunft gab. Etwa darüber, dass neben dem Aufbau der Grüns auch Abschläge und Bunker erneuert wurden. Dass der Pflegeaufwand bei den Grüns zuletzt sehr hoch war, weil der Unterbau aus einem Erdreich- Sand-Gemisch bestand. Dass künftig ein reiner Sandaufbau dafür sorge, dass das Gras tiefer wurzelt und das Drainagensystem besser funktioniert. Dass die neuen Grüns somit nährstoffreicher und gesünder seien und der Wasserverbrauch für die Pflege um mehr als 50 % reduziert werden kann. Und vor allem, dass die Modellierung der Puttfläche und der Umfelder jetzt wieder zeitgemäß ist.

Um all das zu realisieren, arbeiteten die SAGGolfplatzbauer zwischen Mai und August mit Hochdruck – und mussten ihre Bauwerke dabei immer wieder schützen. „Just in der Bauphase herrschte in der Region die regenreichste Zeit der vergangenen 27 Jahre“, erzählt Clute. Doch auch dieser Herausforderung sei man Herr geworden, so dass das Projekt (nach weiteren zwei Monaten Fertigstellungspflege) im November fristgerecht und hochzufrieden vom Club abgenommen wurde. Nachdem alles verwachsen ist, werden ab Juni 2021 die ersten Bälle über die Grüns rollen – sicher auch wieder begleitet von immens hoher Aufmerksamkeit der Golf-Republik.

 

Die Bedeutung des 19. Grüns

Ein Sodengrün ermöglicht den schnellen Austausch von Schadstellen

 

Natürlich sollten auf einem 18-Loch-Platz zuvorderst die dazugehörigen 18 Grüns tipptopp sein. Doch die Sommerfeld AG baut in diesem Jahr auf mehreren Anlagen ein 19. Grün – das sogenannte Sodengrün. Sobald auf einem der tagtäglich bespielten Grüns auf dem Golfplatz eine Stelle ausgebessert werden muss, dient es den Greenkeepern zur sofortigen Behebung von Schäden. Sie stechen dort Soden in der benötigten Größe aus und ersetzen die beschädigte Stelle eins zu eins. „Auf diese Weise kann das Grün anschließend direkt wieder bespielt werden“, erläutert Supervisor Dieter Kückens. „Ein erheblicher Vorteil gegenüber einer Ausbesserung mit Sand und Nachsaat, die im wahrsten Sinne von Natur aus länger dauert.“ In Kombination mit den Vorteilen, dass Ersatzsoden nie mehr zugekauft werden müssen, diese in der Qualität sowie Beschaffenheit nahezu identisch mit den übrigen Grüns auf der Golfanlage sind und das Sodengrün nebenher mitgepflegt wird, sind das gute Argumente für den Bau eines Sodengrüns.

Neue Grüns

SAG optimiert Platz des Golf Club Ulm e. V.

Diverse Bauarbeiten mitten in der Saison? Da muss es schnell gehen. Daher ist der Zeitplan für umfangreiche Baumaßnahmen im Golf Club Ulm e. V. äußerst ambitioniert: In ein paar Wochen sollen zwei Grüns und ein Übungsgrün sowie neun Abschläge und ein Grünumfeld inklusive Wegen neu angelegt, 22 Bunker saniert beziehungsweise umgestaltet und ein Grün zurückgebaut werden. Um all diese Aufgaben in kurzer Zeit zu meistern, stimmt sich die SAG eng mit Architekt Dr. Hendrik Hilgert (INFINITE VARIETY GOLF Deutschland) ab und strukturiert die Aufgaben exakt durch. Seit Juli wird jeder einzelne Ärmel hochgekrempelt, damit das Projekt fristgerecht Ende September fertiggestellt werden kann. 12 Wochen Bauarbeiten für einen langfristig optimierten Platz – damit können die Ulmer Golfer bestens leben.

Großer Erfolg

Ciao, Öschberghof

Die Sommerfeld AG verabschiedet sich für den Moment vom Öschberghof: In den vergangenen Tagen hat das Golfplatzbau-Team um Florian Clute die letzten Arbeiten rund um das Hotelumfeld auf der neuen 45-Loch-Anlage erledigt – und damit ein großes Projekt mit Erfolg abgeschlossen. Insgesamt bewegte die SAG in Donaueschingen 15.000 Quadratmeter Rollrasen und 5.600 Kubikmeter Oberboden, verbaute vier Kilometer Wasserleitung und 600 Regner. „Dass bei dieser Größenordnung alles reibungslos funktioniert hat, macht uns sehr zufrieden“, so Clute.

Zufrieden sind auch die Öschberghof-Verantwortlichen, die bei der Erweiterung der Anlage viel Wert auf Nachhaltigkeit gelegt haben. In Sachen Beregnung lautete das Ziel, auf die Nutzung von Grundwasser gänzlich zu verzichten. Diese ehrgeizige Vorgabe erfüllte die SAG mit einem ausgeklügelten System an Dränagen und Wasserleitungen in Verbindung mit diversen Teichen. Darüber hinaus sank der Energieverbrauch für die neue Beregnungsanlage um 30 Prozent!

Der Karriere-Weitsprung

Wie Florian Clute zum Bereichsleiter Golfplatzbau wurde

Es gibt Karriereschritte, die sind geplant, überfällig, risikofrei. Und es gibt Karriereschritte wie den von Florian Clute im Jahr 2014: unvorhergesehen, überraschend und ja, durchaus auch etwas riskant. Vier Jahre später lässt sich indes festhalten, dass sich das Risiko ausgezahlt hat, denn Clute ist heute mit gerade einmal 29 Jahren Bereichsleiter Golfplatzbau der Sommerfeld AG. Sein Karriereschritt war also eher ein Karriere-Weitsprung.

Rückblick: Florian Clute begann 2010 bei Sommerfeld, lernte schnell, machte seine Greenkeeper-Ausbildung auf dem Platz des Golfclub Sauerland, bildete sich fort und firmierte bald als Headgreenkeeper. Er organisierte sich und seine Aufgaben so gut, dass er Anfang 2014 sagte: „Eigentlich läuft es hier fast wie von alleine.“ Daraus zog er indes nicht den Schluss, das Arbeitsleben entspannt angehen zu lassen, sondern sagte erst zu sich und dann zu Frank Sommerfeld: „Ich brauche eine neue Herausforderung.“ Die Antwort seines Chefs: „Okay, dann gehst du jetzt in den Golfplatzbau.“

Doch nicht nur das: Clute bekam im Mai 2014 von Sommerfeld direkt das Vertrauen geschenkt, mit damals 25 Jahren die Bauleitung für den Neubau einer 9-Loch-Anlage des Golf Clubs Bürgenstock am Vierwaldstättersee bei Luzern in der Schweiz zu übernehmen. Das Investitionsvolumen betrug mehrere Millionen Schweizer Franken. „Diese Herausforderung war dann doch etwas größer als gedacht“, erinnert sich Clute lachend zurück. Doch er meisterte sie glänzend. Und bekam gleich ein neues Projekt übertragen: die Übernahme einer Baumaßnahme im Golfclub Eppan. Wieder eine Herausforderung, wieder lief alles einwandfrei.

Die guten Erinnerungen an die Zeit in Eppan kamen noch einmal hoch, als er vor der Fußball-WM 2018 in der TV-Berichterstattung Thomas Müller, Mats Hummels und Co. auf der Anlage golfen sah. „Und ich selbst habe auch so eine Klatsche, dass ich mindestens einmal im Jahr zu `meinen´ Anlagen fahren muss, um eine Runde zu spielen“, erzählt er. Hält er diese Tradition aufrecht, darf er künftig regelmäßig nach Donaueschingen reisen. Denn 2015 übernahm Clute als ultimative Herausforderung die Projektleitung beim Bau der 45-Loch-Anlage des Öschberghofs. Und wenn man die Erfolgszahlen der mittlerweile fertigen Anlage kennt, darf man sagen: Auch diese Aufgabe hat er mit Bravour gelöst.

Zurück im Jahr 2019 nennt der 29-jährige Sommerfeld-Bereichsleiter als Gründe für die rasante Laufbahn in den vergangenen Jahren: „Immer neugierig bleiben und weiterlernen, das Know-how erfahrener Kollegen aufsaugen und mit eigenen Ideen und Impulsen vermischen.“ Wenn man das Ganze dann noch mit hohem Engagement und großer Leidenschaft für die Arbeit versieht, die Frank Sommerfeld seinem Mitarbeiter attestiert – tja, dann klappt es auch mit dem unvorhergesehenen Karriere-Weitsprung.

1.500

… Tonnen: So viel brachte der Sand auf die Waage, den die Sommerfeld AG bei der umfangreichen Baumaßnahme zur besseren Entwässerung im Golf Club Hubbelrath (siehe Seite 1/2) auf den Fairways verteilt hat. Kleiner Vergleich, der zeigt, welche Massen verarbeitet wurden: Der Sand wog so viel wie 428 Nashörner oder 1.666 Eisbären!

Von der Suche nach Plan B

Im Golfclub am Meer heißt es: „Baum statt Zaun“

Wer sich im Jahr 2000 das brandneue Nokia 7110 zulegte, tat das vermutlich in dem Gefühl, für lange Zeit das Nonplusultra eines Handys in der Tasche zu haben. Nun, dem war eher nicht so, wie wir heute wissen, das Gerät steht längst im Museum. Dorthin muss die ebenfalls 2000 errichtete Driving-Range des Golfclubs Am Meer in Bad Zwischenahn zum Glück nicht verfrachtet werden, doch die technische Entwicklung sorgt auch hier für Veränderungen – die jüngst eine interessante Suche nach Alternativen zu einer naheliegenden Lösung auslösten.

Der Reihe nach: Als die Driving-Range angelegt wurde, meinten die Planer, die Länge von 200 bis 220 Metern reiche dicke aus. Nur eine Handvoll Mitglieder würde es schaffen, die Bälle so weit zu schlagen. „Doch die rasante Weiterentwicklung des Materials hat gepaart mit dem gewachsenen Können der Spieler dafür gesorgt, dass die Bälle mittlerweile reihenweise so weit fliegen“, berichtet Geschäftsführer Frank Sebastian Lentschig. Und daraus resultiere ein großes Problem: Hinter der Driving- Range befindet sich der gelbe Abschlag der Bahn 5. Hat er einen leichten Linksdrall, kommt ein weit von der Driving-Range geschlagener Ball genau dort an.

Da immer häufiger Bälle in der Nähe des Abschlags einschlugen, waren die Verantwortlichen gezwungen, dort zügig eine Schutzmaßnahme umzusetzen. Die naheliegendste Lösung wäre mit Sicherheit gewesen, einen hohen Ballfangzaun zu errichten. Da sich die Golfanlage jedoch in einer der größten Baumschulregionen Europas befindet und die Golfer unter dem Motto „Golfen im Park“ abschlagen, sollte stattdessen lieber eine naturnahe Lösung gefunden werden, die auf der Anlage keinen Fremdkörper darstellt …

„Wie wäre es mit mehreren Bäumen am Ende der Driving-Range?“, wurde irgendwann in die Diskussion eingebracht. Gute Idee, befanden alle Beteiligten – zumal dafür weder eine Baugenehmigung nötig war noch Fundamente gegossen werden mussten. Und Vögel verfangen sich gemeinhin auch nicht in Bäumen. Also nahmen die Dinge ihren Lauf: Die Baumschulinhaber im Club wurden um Meinung und Unterstützung gebeten. Diese Unterstützung kam. Man entschied sich für fünf Ahornbäume. Eine Fachfirma wurde beauftragt, die die vier Meter hohen Pflanzen einsetzte. – Tja, und nun stehen die Bäume zwischen Driving-Range und Bahn-5-Abschlag und erhöhen sowohl die gefühlte als auch die tatsächliche Sicherheit. Das Feedback der Aktiven ist durchweg positiv, die Maßnahme somit ein voller Erfolg – und das viele Grübeln um Plan B hat sich definitiv gelohnt!

Das heißt freilich nicht, dass sich auch andere Golfclubs nun stets die Frage „Zaun oder Baum?“ stellen sollten. Die Geschichte zeigt jedoch: Statt ohne Umschweife die naheliegende Lösung anzustreben, kann es sich lohnen, kurz innezuhalten und nach Alternativen zu suchen. Noch dazu, wenn sie so zukunftsfähig sind wie in Bad Zwischenahn: Im Gegensatz zu einem Fangzaun, der mit der Zeit altert, wird das Ahorn-Quintett am Ende der Driving-Range schließlich mit jedem Tag größer, hübscher und ballabwehrender.

Große Aufgabe. Großer Ansporn.

Mittendrin bei der Mannschafts-EM

Neil Armstrong betrat den Mond, Willy Brandt das Kanzleramt, Steffi Graf erblickte das Licht der Welt – und die besten Golf-Amateure des Kontinents reisten zur Mannschafts-Europameisterschaft nach Deutschland. 1969 war das, verdammt lang her also … Doch eines der vier Ereignisse findet nun eine Fortsetzung: 49 Jahre nach der Premiere steigt die Team-EM wieder in Deutschland, vom 10. bis 14. Juli im Golfresort A-ROSA Scharmützelsee in Bad Saarow. Und die Sommerfeld AG ist nicht nur dabei, sondern mittendrin.

„Wir freuen uns sehr, dass die besten Amateur-Golfer Europas im Juli 2018 nach Berlin kommen“, verkündete Claus M. Kobold, Präsident des Deutschen Golf Verbandes (DGV), nach der Vergabe der EM. „Diese Aussage könnte genauso gut von mir und meinen Kollegen stammen“, sagt Sommerfeld-Prokurist Detlef Blohm lächelnd. Denn für das Unternehmen und vor allem für die Greenkeeper in Bad Saarow sei das Event auf dem von Sir Nick Faldo designten Platz (siehe Info-Kasten) der absolute Höhepunkt ihres Arbeitsjahres. „Wir freuen uns einfach, wenn wir bei Turnieren unsere Leistungsfähigkeit und unser Know-how unter Beweis stellen können“, so Blohm.

Die Sommerfeld AG pflegt die renommierte Anlage am Scharmützelsee mit ihren 63 Löchern seit dem 1. April 2018. Auf dem Turnierplatz im Südosten Berlins wurden bereits die German Open 1998 und 1999 gespielt, die Mannschafts-WM 2000 oder die Herren-EM 2007. „Dass nun ein weiteres hochwertiges Turnier ausgetragen wird, ist für uns sowohl große Aufgabe als auch großer Ansporn“, sagt Blohm. Herausfordernd sei etwa, die festen Vorgaben des DGV akribisch umzusetzen. So wurden die Schnitthöhen von Fairway, Semi-Rough und Rough ebenso definiert wie die gewünschte Ballrolllänge von 11 Fuß (ca. 3,30 Meter). Die Bälle müssen auf den Grüns in erster Linie treu und sauber rollen, für das Turnier gilt indes ebenso „je schneller, desto besser“ – schließlich sollen die Top-Sportler knifflige Put-Aufgaben lösen müssen. Deshalb werden die Grüns auch jeweils vor und nach einer Runde gemäht und gebügelt.

„Bis zum Turnier gehen zwar noch ein paar Wochen ins Land, aber die Vorbereitungen laufen bereits auf Hochtouren“, berichtet Detlef Blohm. So seien mit Spezialgerät Fehlstellen nachgesät, zudem Mängel an Bunkerböschungen mit Soden ausgebessert worden. „Und auf den Abschlägen wird vorhandener Filz mittels Rasenschlitzfräsen bearbeitet, damit die Sportler einen festeren Stand beim Abschlag haben.“ Angesichts des erhöhten Aufwands trifft es sich gut, dass sich die Sommerfeld AG mit Großturnieren auskennt: Erst im Herbst 2017 waren zwölf Mitarbeiter bei den Porsche European Open im GC Green Eagle im Einsatz. Erfahrungswerte, die jetzt bei der Planung helfen.

„Unser Ziel ist es, mit großem Einsatz und viel Herzblut eine unvergessliche Meisterschaft für die Spieler und Zuschauer auf die Beine zu stellen.“ Das hat nicht etwa Detlef Blohm gesagt, sondern Vanessa Herbon (Direktorin Golf & Sport der A-ROSA Hotel-Gruppe) – doch auch diesen Satz können alle Sommerfelder mit Blick auf ihre Aufgaben am Scharmützelsee mit Sicherheit guten Gewissens unterschreiben.

Designt by Sir Nick Faldo

Der von Sir Nick Faldo designte Golfplatz Bad Saarow steht in der Tradition der „Links-Courses“, die es traditionell an vielen Küsten gibt. Ursprünglich verlief dort das Routing der ersten 9 Löcher entlang der Küste („out“), die zweiten 9 dann parallel im Landesinneren wieder zurück zum Clubhaus („in“). Die Begriffe „out und „in“ sind noch heute auf vielen Scorekarten weltweit zu finden.

Ein Markenzeichen der Links-Courses sind der kaum vorhandenen Baumbewuchs sowie die sogenannten „Topfbunker“. Sie lassen sich aufgrund ihrer Tiefe nicht maschinell pflegen und sind teils nur über eine Treppe oder Leiter betretbar. Ein weiteres Merkmal ist die Art, wie die Fairways gemäht werden: Eine Hälfte wird gegen die Spielrichtung, die andere mit der Spielrichtung gemäht – wodurch die Bälle einerseits gebremst werden, andererseits weiter rollen. Das stellt die Spieler ebenso vor Herausforderungen wie die harten, schnellen Grüns, die ein direktes Anspielen des Lochs massiv erschweren. Mal schauen, wie die Spieler bei der Mannschafts-EM damit zurechtkommen …

Homogenbereiche vs. Bodenklassen

Obacht vor unliebsamen Überraschungen

„Homogenbereiche“ und „Bodenklassen“: Für den Laien mögen das nichtssagende Vokabeln sein – für den Golfplatzbauer aber sind sie von immenser Bedeutung. Gerade für solche, die schon vor 2015 ihrer Arbeit nachgegangen sind und sich mit der Historie dieser Begriffe auskennen. Vor 2015 wurden nämlich in Teil C der Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen (VOB) in Bezug auf Erdarbeiten sieben Bodenklassen genannt. Von Klasse 1: „Oberboden“ über Klasse 4: „Mittelschwer lösbare Bodenarten“ bis zu Klasse 7: „Schwer lösbarer Fels“. Mit diesen Angaben konnten Golfplatzbauer gut planen, wussten sie doch nach entsprechender Untersuchung relativ genau, welche Bodenbeschaffenheit sie in welcher Tiefe erwartete.

Im Spätsommer 2015 wurden die Normen der VOB dann überabeitet – und aus den „Bodenklassen“ plötzlich „Homogenbereiche“. Diese begrenzten Bereiche aus Boden- oder Felsschichten beschreiben seitdem im Leistungsverzeichnis die Eigenschaften des Baugrunds. Dadurch entfällt die zuvor teils komplexe Einteilung in die sieben Bodenklassen, was erst einmal nach einer Vereinfachung klingt.

Allerdings: Die Einteilung in Homogenbereiche ist unspezifischer als vorher, was später bei der tatsächlichen Baumaßnahme zu unliebsamen Überraschungen führen kann. Umso fachkundiger müssen daher seitdem Baugrundgutachter und Planer vorgehen, umso enger muss die Zusammenarbeit zwischen Gutachter, Planer und Bauherr sein. Nur dann kann es gelingen, Ausschreibung und Vergabe genau auf die Homogenbereiche abzustimmen – und darauf aufbauend letztlich ein für alle Beteiligten perfektes Ergebnis zu erzielen.